Erdbeerkirsch :3

Sonntag, 20. Mai 2012

Part 3 (Diesmal mehr!)


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Gelbe warme Sonnenstrahlen lugten durch die saftig grünen Blätter der Eiche unter der ich es mir gemütlich gemacht hatte.
Ich hob das Gesicht in das warme Licht, atmete den blumigen Duft der Wiese  tief ein und erfreute mich des Frühlings. Ich liebte den Frühling. Nichts konnte mich glücklicher machen als der Duft von Blumen und der Anblick von frischem Taunassem Gras. 
Seufzend rollte ich mich von der dicken Decke, die meine Zofe extra für mich ausgebreitet hatte damit meine Kleider nicht schmutzig wurden, und strich mit den Händen über die weiche Wiese, vergrub meine Finger beinahe darinnen.
Dank der Medizin des Honigweißpaares konnte ich das auch genießen. Manchmal, in schweren Stunden erinnerte ich mich an die Zeit bevor sie in der Stadt waren und wie ich den ganzen Frühling und die Hälfte des Sommers im Haus hatte verbringen müssen, vom Asthma hernieder gestreckt vergebens aus dem Fenster blickend und mich nach der Freiheit sehnend.  
Die hohen Wände waren mir wie Gefängnisgitter  vorgekommen.
Unser Anwesen war nicht klein, aber was nützten  zwanzig  freie Zimmer wenn man die weite Welt vor der Nase hatte. Schnell schüttelte ich den Kopf, verscheuchte die düsteren Gedanken. 
Lächelnd setzte ich mich auf, zog die Knie bis an die Brust und blickte über den Garten. Die Wiese auf der ich lag war der Teil des Gartens den meine Mutter völlig sich selbst überlassen hatte. Bunte Wildblumen blühten hier, der Stamm der Eiche war von weichem Moos bewachsen und Grillen zirpten unter den Blättern jener Gewächse die sonst erbarmungslos von unserem Gärtner heraus gezupft wurden.

Unser Gärtner und…

„Hallo Schönheit, hat das Wundermittel der alten Hexe endlich gewirkt?“ raunte es schelmisch hinter mir und braun gebrannte nach Erde duftende Arme legten sich um mich. Kichernd schmiegte ich mich gegen das Gesicht von Tommy dem Sohn des Gärtners.
„Nenn sie nicht alte Hexe nur weil sie dunklere Haut hat als du. Im Sommer bist du so braun das man dich fast für einen Neffen halten könnte.“ Ich streckte den Hals und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Ich spürte wie er das Gesicht verzog, mich aber trotzdem fester an sich zog.
„Sag doch sowas nicht! Die Frau stammt aus einem Urwald wo sie von Tigern groß gezogen wurde. Sie isst bestimmt kleine Kinder! Zumindest hat die alte Betty das gesagt. Sie meinte die Taschen der Hexe wären mit Süßigkeiten gefüllt. “
 Tommy redete sich gerade in Rage, plapperte immer weiter über die Geschichten der alten Betty, einer Frau von solch verschrobener Phantasie das nicht mal ihr Beichtvater wusste wann sie die Wahrheit sprach und wann nicht.
Tommy war ein guter Kerl aber als Sohn eines Gärtners und einer Magd wurde er mit großem Aberglauben erzogen und Frauen mit Haut so schwarz wie Rabengefieder, standen ganz oben auf der Liste der Geschöpfe derer man sich in Acht nehmen musste. 
Wenn man seinen extremen Aberglauben und seine zerschlissenen Kleider aber außen vor liess so könnte man diesen hübschen Mann mit den Grasgrünen Augen für einen Prinzen halten. Wohlerzogen, zuvorkommend, witzig, wortgewandt, mutig, stark, gut aussehend… die Liste war Kilometerlang. 
Als Tommy endlich einmal inne hielt, vermutlich um nach Luft zu schnappen, ergriff ich meine wohl einzige Chance das Thema in eine andere Richtung zu lenken.
„Um auf deine eigentliche Frage zurück zu kommen: Ja es geht mir gut. Das Mittel hat binnen weniger Stunden geholfen und jetzt kann ich wieder normal atmen.“ Er legte die Lippen an meinen Hals.
„Gott sei Dank Gestern Nacht hast du wie ein Schlossgespenst gerasselt.“ Ich fuhr herum und legte ihm erschrocken die Hände auf die Lippen. 
„Pssst! Am Ende hört noch jemand etwas!“ Wie auf Zuruf knackte es in den Ästen der Eiche. Blätter rieselten auf uns herab. Wir hoben den Blick musterten das Geäst. 
Nichts. 
Ich atmete erleichtert aus.
Einerseits pochten meine Eltern nicht darauf das ich Angestellte wie Angestellte behandelte aber andererseits konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie die Beziehung zwischen mir und Tommy gut heißen könnten… aus diversen Gründen.
„Ach herje…“ Tommy kicherte und langte in meinen Picknickkorb. 
Heraus zog er einen weißen Kamm aus feinstem Elfenbein.
 „Du hast so viel Laub in deinem Haar. Das geziemt sich für die jüngste Tochter des Lands Herren aber nicht! Fräulein Kleinblüm Ihr seid eine Schande für die ganze Familie!“ sprach er hochgestochen und begann die Blätter aus meinem Haar zu kämmen.
„Na da bin ich aber froh! Dann bin ich ja gerade gut genug für dein kleines Bauernhaus!“ Lachend schlang ich die Arme um seinen Hals, küsste ihn stürmisch auf die Lippen und liess mich mit ihm ins Gras fallen. 
Ich weiß nicht wie viel Zeit verging in der wir eng umschlungen im Gras lagen uns küssten und zugegeben auch noch ein bisschen mehr taten, als es plötzlich donnerte. Kurz darauf prasselten dicke Regentropfen auf die Blätter der Eiche, bahnten sich ihren Weg durch das Geäst und landeten schliesslich auf uns. Zwar waren wir ein wenig geschützt, doch der Regen wurde immer stärker, also beendeten wir widerwillig unsere Turtelei.
Widerwillig begann ich mein Kleid zurecht zu zuppeln, streckte gerade die Finger nach dem Kamm aus um ihn in den Korb zu stecken, als Tommy mich schnappte und kurzerhand mitten in den Regen stellte.
„Was soll das?!“
„Na du hast ein weißes Kleid an!“ Er grinste Breit.
„Ja aber… was?“ Ich blickte an mir herunter. „Oh du Schwein!“ Mit dem einen Arm bedeckte ich mein Dekolleté, mit der anderen wollte ich lachend nach ihm schlagen doch er war bereits ausgewichen und hatte die Decke geschnappt. Fest schlang er sie um mich.
„Los wir gehen rein, ich hole den Rest später wenn es aufgehört hat zu regnen!“ Er legte den Arm um meine Schulter und zusammen rannten wir durch den strömenden Regen, hinein in das Anwesen.

Diese Silhouette… Ihr Körper unter dem nassen Stoff….

Es knackte erneut in den Ästen des Baumes. Heraus hangelte sich eine dürre Gestalt. Das halblange braune Haar hing ihm in fettigen Strähnen im Gesicht. Die Gestalt bückte sich, fasste mit den dürren krallenartigen Fingern ins Gras und hob den Kamm direkt vor das Gesicht, begutachtete ihn aus grauen Augen eingehend. Der dünne rissige Mund verzog sich einseitig zu einem Lächeln. Mit einer schnellen Handbewegung liess die Gestalt den Kamm in der Innentasche der zerfetzten Weste verschwinden und blickte dem Mädchen mit weit aufgerissenen Augen hinterher. Wasser lief ihm den Nacken hinunter.

Nur einmal will ich sie anfassen!

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